III. Die Übergangszeit und die Herrschaft von Karl Robert von Anjou (1308-1342) bis zum bewaffneten Aufstand der Sachsen von 1324

©Klaus Popa

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Der Tod von Andreas III. brachte erneute Instabilität über Ungarn, die in der
Hauptsache durch Lokalpotentaten verursacht wurde, die ihre Interessenkämpfe
gegeneinander und gegen die ihnen zinspflichtige Bevölkerung austrugen. Die
Integrität des Königreiches lag auf dem Spiel. Sienbenbürgen blieben solche
Kämpfe und Konflikte nicht erspart.

Die Stimme des heiligen Stuhls in Rom blieb auch diesesmal ausschlaggebend
für die weitere Entwicklung in Ungarn, doch es sollte sechs Jahre dauern, bis
der Spruch von Bonifazius VIII. vom 1. Juni 1303, daß Ungarn Maria, der
Königin von Sizilien, und deren Neffen, Karl Robert, nicht Wenzel, dem
Sohn von König Wenzel von Böhmen, gehöre (51), in Erfüllung ging.

Karl Robert errang den ungarischen Thron erst 1309. Papst Clemens V. 
ernannte am 9. August 1307 Kardinal Gentile zum Legaten in Ungarn und 
am 10. August bestätigte der Papst die Rechte der Maria von Sizilien und 
von Karl Robert, die sein Vorgänger ausgerufen hatte (52). Kardinal Gentile
rief Karl Robert zum König von Ungarn im Beisein zahlreicher Potentaten
des Königreichs am 18. November 1308 aus (53).

Das war nur der Anfang politischer Stabilisierung. Siebenbürgen blieb von 
diesem Prozess unberührt, bis die mächtigsten Opponenten der Zentralge-
walt, der siebenbürgische Bischof Petrus und der dortige Woiwode Ladis-
laus, ihre separatistische Politik zugunsten von Karl Robert aufgaben. Daß
selbst ihre früheren Verbündeten ihre Politik nicht teilten bezeugt die
Exkommunizierung von Bischof Petrus, welche der Erzbischof von Kalocsa 
ausrief, im Falle Petrus seinen gegen den Woiwoden Ladislaus ausgespro-
chenen Bann, die Kirche an Feier- und Sonntagen nicht besuchen zu
dürfen, nicht ausweite. Ob die Maßnahme des Erzbischofs von Kalocsa nur
durch die Besetzung der zu Kalocsa gehörenden Besitzung Almas durch 
den Woiwoden Ladislaus ausgelöst wurde, ist nicht gesichert. Sicherlich 
spielte die Weigerung des Woiwoden, Karl Robert als König anzuerkennen, 
eine Rolle. Der Erzbischof nahm seinen gegen Bischof Petrus ausgespro-
chenen Bann am 20. Januar 1307 zurück, hielt ihn aber für andere, wohl 
auch für Woiwoden Ladislaus, aufrecht (54).




Der Prozess des Weißenburger Kapitels gegen seine
südsiebenbürgischen Dekanate

Ein weiterer Beleg für die politisch gespaltene Landschaft Siebenbürgen ist der Prozess des Weißenburger Kapitels (und von Bischof Petrus, der niemals ausdrücklich Erwähnung findet) gegen eine Anzahl südsiebenbürgi- scher Dekanate (8. Januar bis 3. Juli 1309). Die Prozessunterlagen sind er- halten. Kardinal Gentile war durch Philippus von Sardinea, seinen General- auditor (Vorsitzender eines Gerichtshofes), vertreten. Folgende sächsischen Geistlichen waren vom Kapitel vorgeladen worden: der Dekan von Mühlbach, die Plebane von Mühlbach, Winz (Vintu de Jos, Alvinc), Deutsch-Pien (Pianu de Jos, Alsó Pián), Tschapertsch (Topîrcea, Toporcsa), Omlas (Hamlesch, Amnas, Omlás), Reichau (Rahau, Rehó), Großpold (Apoldu de Sus, Nagypold), Spring (Spring, Spring), Troschen Drasov, Drassó), Piro (Birnbaum, Ghirbom, Oláhgirbó), Weingartskirchen (Vingard, Vingárd), Gieshübel (Gusu, Kisludas), Törnen (Pauca, Póka- falva), der Dekan von Kozd (etwa dem Stuhl Schenk entsprechend), die Pfarrer von Stein (Grînari, Garád), Bekokten (Barcut, Báránykút), Langenthal (Valea Lunga, Hosszúaszó), Feigendorf (Micasasa, Muke- szásza), Abtsdorf (Tapu, Csicsó- holdvilág), der Dekan von Kyzd (Keisd, Saschiz, Szászkézd), der Pfarrer von Neithausen (Netus, Netus), der Dekan von Crys (Kreisch, Cris, Keresd), der Pfarrer von Malmkrog (Malîncrav, Almakerék), der Dekan von Klein-Kokel (Kis-Küküllö), die Pfarrer von Peschendorf (Stejareni, Bese), Seiden (Jidvei, Zsidve) und Bonnesdorf (Boian, Alsóbajom). Es standen also die sieben sächsischen Dekanate Mühlbach, Spring, Kozd, Kyzd, Gross- und Kleinkokel und Kreisch unter Anklage. Deren Vertreter konnten der Vorladung nicht Folge leisten, weil Woiwode Ladislaus sie daran hinderte. Deshalb richteten sich die säch- sischen Geistlichen über den Dominikanerfrater Herricus an den Papst. Es ist kennzeichnend, daß das Weißenburger Kapitel die unglücklichen Ereignisse des Jahres 1277, als die südwestsiebenbürger Sachsen ihre Rechte gegen den Despotismus von Bischof Petrus und gegen das Weissenburger Kapitel (55) verteidigten, zu offensiven Zwecken einsetzte, u.zw. als Argument gegen die Behauptung der Hermann- städter Komites (Grafen) Goblinus und Nikolaus, daß sie in einem Brief an den Woiwoden Ladis laus freies Geleit für die Vertreter der sächsischen Geistlichen verlangt hätten. Das Kapitel beschuldigte die Sachsen von Herannstadt (universitatis
Cibiniensis
) im Bund mit den Feinden der römischen Kirche (rebel-
lium sanctae Romanae ecclesiae
) den Versuch unternommen zu haben,
in der Person von Otto von Bayern (ungarischer König von 1305 bis 1307)
(56) Einfluß auf das ungarische Königtum zu nehmen. Die Hermannstädter
Sachsen sollen auch behauptetet haben, das Weißenburger Kapitel und der
Bischof von Weißenburg seien für die Gefangensetzung von Otto verantwort-
lich (den eigentlich Woiwode Ladislaus verhaftet hatte). Das Kapitel behaup-
tete auch, die Führung der Hermannstädter Sachsen (Cibiniensis universi-
tatis et communitas
) habe einen bewaffneten Angriff auf die Kathedrale
von Weißenburg im Bund mit den Pfarrern des Dekanats Mühlbach am 19.
Februar 1309 organisiert.

Die Argumente des Weißenburger Kapitels sind zweifelsohne Unterstellungen.
Zwar hatten die Siebenbürger Sachsen Otto von Bayern den Vorzug vor anderen
Thronanwärtern (Karl Robert, den Rom bevorzugte und unterstützte) gegeben.
Die Einstellung des Weißenburger Kapitels reflektiert die Politik der Theokratie,
die Ungarn unter Andreas III. beherrschte und gegen die Ladislaus IV. erfolglos
angekämpft hatte. Diese Sichtweise war insofern gerechtfertigt, als die Theo-
kraten für einen Herrscher eintraten, der die sogenannten "Rebellen gegen die
heilige römische Kirche" bekämpfen würde, der also bereit sein würde, die
Macht mit ihnen zu teilen, wodurch die Stabilität
51) Augustinus Theiner, Vetera Monumenta Historica Hungariam Sac-
ram Illustrantia (Urkunden zur ungarischen Kirchengegeschichte) , I. Bd.,
1216-1352 (Reprint der Ausgabe von 1859), Osnabrück 1968, S. 397- 399, Nr.
635.
52) Theiner, Vetera Monumenta ..., S.415ff., Nr.664; S.417-421,
Nr.665.
53) Ders., S.423-425, Nr.669 (vom 27. November 1308). 54).
Beke Antal, Die Urkundensammlung des Siebenbürgischen Kapitels,
in: Történelmi Tár (Historisches Magazine), Budapest 1889, S. 579, Nr. 58.
55) Siehe Seite 7 and 8. Die Prozessakten des Jahres 1309 liegen vor in:
Monumenta Vaticana Hungariae, Acta Legationis Cardinalis Gentilis (1307-
1311) (Auf Ungarn bezogene vatikanische Urkunden, Die Akten des Kardi-
nallegaten Gentile), Budapest 1885, S.187f. und im Urkundenbuch zur Ge-
schichte der Deutschen in Siebenbürgen (Ub.), I, Hermannstadt 1892, S.
239-292.
56) Uber Otto vgl. Janos M. Bak, Königtum und Stände in Ungarn im
14.-16. Jahrhundert (Quellen und Studien zur Geschichte des östlichen Europa,
VI.Bd.), Franz Steiner Wiesbaden 1973, S. 15.

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des Landes gewährleistet wäre. Doch das Weißenburger Kapitel war mit- nichten berechtigt, die Sachsen seiner Diözese ungebührlich zu besteuern (man erinnere sich, daß die Sachsen der Hermannstädter Provinz zur Erz- diözese Gran gehörten, also vor Weißenburger Heimsuchungen verschont waren) und diese Ungerechtigkeit aufrechtzuerhalten. Die Antwort der säch- sischen Geistlichen auf die vom Weißenburger Kapitel vorgebrachten An- schuldigungen brachte Bertoldus, der Dekan von Mühlbach und Prokurator der sächsischen Geistlichen, vor. Das Aufbegehren unter Gaan (Johann), der Sohn Alards, im Jahr 1277 war ein Rachefeldzug gegen Bischof Petrus, dem Hauptschuldigen am Tod von Alard. Bertoldus unterstreicht, daß schließlich Frieden gemacht wurde (pax plena facta fuit) und daß Bischof Petrus
als Zeichen des Entgegenkommens mehrere Kirchen und Altäre in der Provinz
Hermannstadt geweiht und weitere heilige Handlungen vorgenommen hat.

Bertoldus entkräftet die Anschuldigung, die Führung der Hermannstädter
Sachsen leiste der römischen Kirche oder König Karl Widerstand (57). Auch
die Behauptung, die Hermannstädter Führung habe im Februar 1308 die
Kathedrale in Weißenburg mit Waffengewalt angegriffen, wies er entschieden
zurück. Die Prozessunterlagen weisen aus, daß das Dekanat Mühlbach den
Zehnt an Weißenburg seit zweieinhalb Jahren nicht gezahlt hatte, was auf das
eigentliche Streitobjekt zwischen den sächsischen Dekanaten und Weißenburg
weist. Die Prozessverhandlungen wurden am 3. Juli 1309 bis September ver-
tagt, aber nicht mehr aufgenommen. Es fällt auf, daß die Zehntangelegenheit
niemals offen zur Sprache kommt. In der ersten Phase konzentrierte sich das
Verfahren auf die Frage, ob Woiwode Ladislaus den sächsischen Vertretern der
Provinz Hermannstadt freies Geleit auf ihrer Reise zu Kardinal Gentile zugesagt
hatte. Die einzige diesbezüglich am 5. Mai 1309 vorgelegte Urkunde war ein
Brief des Woiwoden an die Sachsen von Hermannstadt vom 24. November
1308, worin der Schreiber darauf besteht, daß die Abzahlung der Schulden an
das Weißenburger Kapitel die Vorbedingung für eine Regelung sei. Es liegt
nahe, daß der Woiwode kein freies Geleit zusicherte, obwohl das Weißenburger
Kapitel eine Anzahl Zeugen (die Bischöfe von Orod (Arad), Warad (Oradea)
und andere Geistliche) vorbrachte, die das behaupteten.

Es hat den Anschein, daß der Generalauditor Philipp von Sardinea nicht unpar-
teiisch war und daß die Vertreter Roms bestrebt waren, Fakten unter den Tisch
zu kehren, die rufschädigend für das Weißenburger Kapitel sein konnten, das
doch die wichtigste Vertretung der römischen Kirche in Siebenbürgen war.
Dieser Politik darf auch der Umstand zugeschrieben werden, daß Bertoldus, der
Dekan von Mühlbach, sein Prokuratorenamt an Vagnolus de Meuania, Sekretär
des Papstes, genau am 9. Juni 1309 abgeben mußte, als der erste Zeuge der
Weißenburger Seite befragt wurde. Die Erklärung von Bertoldus, er würde
seinen Nachfolger nicht zurückrufen (revocaret), deutet an, daß er sein
Amt unter Druck aufgeben mußte. Aus heutiger Sicht war seine Ablösung
richtig, weil er das Oberhaupt des sächsischen Dekanats war, das Weißenburg
am aktivsten Widerstand leistete, er also befangen war (58).

Der zweite Zug des Weißenburger Kapitels war der Versuch, den Nachweis zu
erbringen, daß die Sachsen des Komitats Hermannstadt Komplizen Ottos von
Bayern waren, der Rival von Karl Robert von Anjou. Damit wird offenbar, daß
Weißenburg den stärksten politischen Verband der Siebenbürger Sachsen
kompromittieren wollte. Doch dieser Versuch konnte nicht in die Tat umgesetzt
werden, weil die Prozessverhandlungen durch den unerwarteten Tod von
Bischof Petrus (am 1. Juli 1309) (59) am 3. Juli vertagt, aber nicht mehr aufge-
aufgenommen wurden. Der Tod von Bischof Petrus war für den Normalisie-
rungsprozess in Ungarn und Siebenbürgen willkommen.

Doch es gab noch den Woiwoden Ladislaus, dessen Position nun beträchtlich
geschwächt war:
- durch den Tod seines Hauptverbündeten Bischof Petrus;
- durch die Krönung von Karl Robert von Anjou in der Marienkirche in Ofen
am 15. Juni 1309 - nicht mit der Krone des Gründers Ungarns, Stephan der
Heilige, die sich bei Woiwode Ladislaus befand. Dieser übergab das Krönungs-
juwel erst im Jahr 1310, nachdem er Karl Robert am 8. April 1310 als König
anerkannt hatte (60);
- durch die Wahl eines neuen Bischofs durch das Weißenburger Kapitel in der
Person von Benedictus, des Priors (61)
57) Er wurde ein zweites Mal 1309 gekrönt, aber nicht mit der 'heiligen Krone', die Woiwode Ladislaus Otto von Bayern abgenommen hatte. 58) Es ist zu hinterfragen, ob diese Analyse dem kanonischen (kirchlichen Recht) nicht widerspricht. 59) Das Datum seines Todes ist in den Wahlunterlagen von Benendictus zum neuen siebenbürgischen Bischof enthalten. Benedictus war der Prior des auf der Haseninsel in der Donau bei Ofen gelegenen Dominikanerklosters. Zum Todes- tag von Bischof Petrus vgl. "Vetera Monumenta ... " (Anm. 51), S. 426-432, Nr. 671, die Urkunde von feria tertia proxima post festum exaltationis sancte
crucis
(16. September 1309). Franz Zimmermann in Ub. I, S.293,
Nr. 315, führt den 28. März 1309 als Todestag an.
60) Fejér, Codex Diplomaticus ..., VIII,1, S.333-337, Nr. 163. Vgl. auch Janos M. Bak (Anm. 56), S.15-19. Das Versprechen wird in
Akten des Reichstags erwähnt, der auf dem Rakosfeld in der Nähe Pests statt-
fand, erwähnt (Gusztáv Wenzel, Budai Regesták (Ofener Regesten),
in: Magyar Történelmi Tár (Ungarisches Geschichtsmagazin), Pest
MDCCCLVII, S.119f., Nr. 183). Die feierliche Erklärung des Woiwoden ist in
Ub. I, S.295f., Nr. 319 abgedruckt. Der Woiwode versprach auch die Silber-
bergwerke von Rodna, die Komitate Bistritz, Zibin (Hermannstadt) und das
Komitat der Sekler, die Städte Dees (Rom. Dej), Clus (Klausenburg, Cluj,
Kolozsvár) und Zek (Sic, Szék, südlich von Gherla (Szamosujvár)) zurückzu-
geben.
61) Ein Prior steht an der Spitze eines Klosters, gleich unter dem Abt.

Seite 13 der Dominikaner auf der Pester Insel (62). Nachdem Woiwode Ladislaus das Kapitel von Weißenburg am 19. Juli 1309 unterrichtete, der Wahl eines neuen Bischofs stehe nichts im Weg (63), schritt das Kapitel zur Wahl und infor- mierte Kardinal Gentile am 24. Juli 1309 in dieser Angelegenheit (64). Die siebenbürgisch-sächsische Geistlichkeit war Prior Benedictus sehr geneigt, wofür der Brief der Dekane von Kisd, St. Ladislaus (Lasseln), Großkokel, Schelk, Spreng, Sebus (Mühlbach) und Warasio (Broos) an Kardinal Gentile spricht, in dem sie um die Bestätigung der Wahl baten (65). Eine Urkunde von Papst Clemens V. vom 28.März 1309, in der der Papst den Bischof von Warad bittet im Zollkonflikt zwischen dem Kapitel von Weis senburg und dem Archi- diakon von Großkokel einerseits und Ulricus, dem Pfarrer von Nadesch (Nades, Szásznadás) und dessen Dekanat andererseits zu vermitteln (66), veranschaulicht die übergriffe Weißenburgs gegen die Pfarrer seiner Diözese, die selbst während des Prozesses nicht aufhörten. Ulrich, der Pfarrer von Nadesch, klagte über das Verhalten des Bischofs von Weißenburg und des Archidiakons von Grosskokel, als er zusammen mit seinen Kollegen den Jahreszins abführen wollte. Die beiden Prälaten waren mit der Summe unzufrieden und setzten einen höheren Betrag an, im Widerspruch zu dem Beschluß des Lateranischen Konzils. Die Erhöhung überforderte die Leistungskraft der Kirche in Nadesch und der anderen Kirchen des Dekanats. Die Prälaten nahmen unrechtmäßig Zehnten in Anspruch (contra iustitiam
occuparunt
) und bedrängten die Pfarrer mit Waffengewalt. Der Dominika-
ner Bertoldus amtierte als siebenbürgischer Bischof bis 1318, als er verstarb
(67). Es liegen keine Hinweise vor, daß die Siebenbürger Sachsen zu seiner
Amtszeit Probleme mit Weißenburg hatten.

62) Die Insel von Pest war als Haseninsel (Insula Leporum) bekannt und heißt
heute Margareteninsel. Das Dominikanerkloster auf der Insel war ursprünglich
ein Nonnenkloster, welches Béla IV. für seine Tochter Margarethe gründete, die
im Kloster einzog, wo sie 1270 verstarb. Sie wurde kanonisiert (durch Rom zur
Heiligen erhoben). Über den geistesgeschichtlich einflußreichen Dominikaner-
orden vgl. Béla Iványi, Geschichte des Dominikanerordens in Sieben-
bürgen und der Moldau, in: Siebenbürgische Viertel jahrsschrift 1939, S. 22-59,
241-256, 379-394; 1940, S. 25-40; Archiv des Vereins für Siebenbürgische
Landeskunde 50 (1944), S. 543-573. Jüngst Klaus Popa , über Domini-
kaner in Europa. Aus der Geschichte des Predigerordens in Siebenbürgen, in:
Karpaten-Rundschau 30/29. Juli 1993, S. 6; Ders., Wiegendrucke als
kulturgeschichtliches Zeugnis. Dominikanische Ordens literatur in der Hermann-
städter Brukenthalbibliothek, in: Karpaten-Rundschau 27/7. Juli 1994, S. 6;
Ders., Siebenbürgisch-sächsische Geistliche des (14.), 15. und 16.
Jahrhunderts im Ausland, in: Kirchliche Blätter (Hermannstadt), 24 (62), N. 5,
6, 7, 8, 9, (Mai, Juni, Juli, August, September) 1996, S.8.
63) Vetera Monumenta ... (wie Anm. 59).
64) Ub. I, S.293, Nr. 316.
65) Ub. I, S.294, Nr. 317.
66) Ub. I, S.292f., Nr. 315.
67) Andreas, der Nachfolger von Benedictus, wird in einer Urkunde vom 16.
April 1318 erwähnt (Beke (wie Anm. 54), S. 582, Nr. 76). Papst
Johannes XXII. bestätigte seine Wahl am 1. Juli 1319 (Vetera Monumenta ..., S.
465f., Nr. 704).

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Die Beziehungen von König Karl Robert und der siebenbürgischen
Obrigkeit zu den Siebenbürger Sachsen nach 1311

Dier erste Maßnahme des neuen Königs zugunsten der Siebenbürger Sachsen war die Bestätigung bestimmter Privilegien, wie die der Deutschen in Winz (Vintu, Alvincz) und Burgberg (Vurpar, Borberek) am 2. November 1310 oder die der Deutschen in Deésakna (Ocna Dejului) am 8. December 1310 (68). Diese beiden Beispiele zeigen, daß der König zunächst jene Hospites-Siedlun- gen bedachte, die wirtschaftliche Schlüsselstellungen in Siebenbürgen besetzten: wichtige Verkehrsknotenpunkte (Burgberg liegt am rechten, Winz am linken Ufer des Mieresch-Flusses) und Zentren der Salzgewinnung. Das bedeutendste Zeichen des guten Willens zeigte der König am 12. August 1315, als er die sogenannte "Wiedervereinigung" der Sachsen von Mediasch, Schelk und Birthälm mit der Hermannstädter Provinz verbriefte. Die Urkunde erwähnt, daß Ex-Woiwode Ladislaus und dessen Sohn Ladislaus, der eben- falls als Woiwode fungierte, die Sachsen von "Medyes, Selk" und "Berethalm" von der Gemeinschaft der Hermannstädter Sachsen (communitate Saxonum
de Cybinio
) getrennt und besetzt hatte (separati et occupati) (69).
Das war zweifelsohne vor der Anerkennung des Königs seitens des Woiwoden
Ladislaus geschehen.

Der erste Höhepunkt der Vertrauensbezeugung durch Karl Robert war die
Bestätigung des Andreanischen Freibriefes am 25. Mai 1317 (70). Damit war
die Position der Sachsen sowohl politisch als auch wirtschaftlich gestärkt. Eine
direkte Konsequenz der Bestätigung war die Befreiung der Sachsen von
ediasch, Marktschelken and Kleinschelken von militärischen Leistungen und
die Festsetzung ihres Martinszinses auf 40 Mark Feinsilber. Der König setzte
ferner fest, daß die genannten Sachsen sich an die Einrichtungen der Hermann-
städter Provinz halten sollten (20 Januar 1318) (71).

Es gibt keine Anhaltspunkte, daß es zwischen den Siebenbürger Sachsen und
den Woiwoden Andreas, Nicolaus und Dosa Spannungen gegeben hätte. Andreas
ist am 8. Mai 1315 bezeugt. Sein Nachfolger Nicolaus leuchtet als siebenbürgi-
scher Woiwode am 6. September 1315 auf. Dosa ist am 23. Mai 1317 im Woi-
wodenamt urkundlich (72). Er scheint bis 1321 gewirkt zu haben, weil am 31.
Januar 1322 sein Nachfolger und langjähriger Woiwode Thomas, ein enger Ver-
trauter des Königs, bezeugt ist (73).
68) Ub. I, S. 296f., Nr. 320; S. 298 f., Nr. 323. 69) Ub. I, S. 316, Nr. 342. Die Frage, ob die Stühle Mediasch, Schelk und Birt- hälm tatsächlich durch den Woiwoden Ladislaus von der Hermannstädter Pro- vinz getrennt wurden, oder ob diese Abtrennung nur behauptet wurde, um die Hermannstädter Provinz mit den Drei Stühlen zu vereinigen, ferner ob dies ein Anhaltspunkt für Spätbesiedlung ist (Mitte und zweite Hälfte des 13. Jahrhun- derts), wird von Rudolf Theil, Gehörten die "zwei Stühle" seit dem
Jahr 1224 zur Hermannstädter Provinz? Eine Studie, in: Archiv des Vereins für
siebenbürgische Landeskunde 12, 1875, S. 257-269 besprochen. Vgl. auch Thomas NäglerDie Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen, Bukarest
1979, mit der Bibliographie zu diesem Thema auf S. 154-157. Die Frage wird
auch von Otto Mittelstrass, Beiträge zur Siedlungsgeschichte
Siebenbürgens im Mittelalter, München 1961 und Theobald Streitfeld,
Über die sächsischen Grafen des Unterwaldes, in: Forschungen zur Volks- und
Landeskunde 23, Hermannstadt 1980, besprochen.
Die 'Grafen' waren die Spitzen der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaften.
Sie besorgten die lokale Rechtssprechung und erfüllten militärische Aufgaben.
Der Unterwald entspricht den Stühlen Broos (Orastie, Szászváros), Mühlbach
(Sebes-Alba, Szász-Sebes) und Reussmarkt (Miercurea Sibiului)). Vgl. auch
Klaus Popa, Die Zwei Stühle Mediasch und Schelk (Ms.).
70) Ub. I, S. 323, Nr. 350. Über das Andreanum Siehe S. 4-5.
71) Ub. I, S. 332, Nr. 354.
72) Ub. I, S. 314, Nr. 339; für Nicolaus Ub. I, S. 317, Nr. 343 und Fejér
, VIII 1, S. 564, Nr. 292; Ders., S. 100f., Nr. 36.
73) Nagy Imre, Anjoukori Okmánytár (Codex Diplomaticus Hungari-
cus Andegavensis, II. Bd., Budapest, S. 3, Nr. 3.


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Obwohl Thomas die siebenbürgische Woiwodenwürde 20 Jahre lang bekleidete, wodurch Siebenbürgen innepolitische Stabilität erreichte, war diese Zeit für die Siebenbürger Sachsen nicht besonders glücklich. Thomas war ein ergebener Diener seines Königs, der besondere Verdienste im Kampf gegen Widersacher seines Königs und Herrn aufzeigen konnte. Der König erlaubte ihm, auch hart durchzugreifen, was Thomas in manchen Fällen auch mißbräuchlich tat. Seine absolute Gewalt über Siebenbürgen traf unglücklicher Weise mit der Aussau- gungspolitik des langjährigen siebenbürgischen Bischofs Andreas zusammen, dessen Wahl Papst Johannes XXII. am 1. Juli 1319 bestätigte (74). Beide waren bis in die letzten Regierungsjahre von Karl Robert im Amt: Thomas war nachweis- lich noch am 27. August 1342 Woiwode und Andreas noch am 31. Oktober 1341 Bischof (75). Obwohl Papst Johannes XXII. (1316-1334) im Jahr 1317 die Jahreseinkünfte der Weißenburger Kirche auf 375 Mark eingeschätzt und verordnet hatte, daß nur die Hälfte an den heiligen Stuhl abzuführen sei (76), beobachtete Bischof Andreas dieses Limit nicht. Der erste Konflikt des Biscgofs mit Siebenbürger Sachsen ist am 23. Dezember 1322 urkundlich, als Georgius, der Pfarrherr von Frauendorf (Axente Sever, Asszonyfalva) die Beschwerden der Schelker Geistlichen gegen den Bischof und Johann, den Archidiakon von Weißenburg, in Rom vorbrachte. Die beiden Prälaten sollen Plebane willkürlich gefan- gengesetzt, vertrieben oder abgesetzt und deren Güter beschlagnahmt haben. Sie fordern übermäßige Dienstleistungen und Abgaben: der Bischof behält sich die Hälfte des Zehnten und der Archidiakon den dritten Teil, Quoten, die sonst den Plebanen gehören müßten. Sie belegen die Plebane mit dem Siebzigsten bzw. dritten Teil ihres Geldes, um eigene Reisekosten zu finanzieren, ungeachtet der Tatasache, daß die betroffenen Kirchen nicht über die entsprechenden Ein- künfte verfügen und auch Neugründungen sind (adhuc sunt novella plantatio
) (77).
74) Vetera Monumenta ..., S. 465f., Nr. 704. 75) Nagy Imre (Hg.), Anjoukori Okmánytár (Codex Diplomaticus Hungaricus Andegavensis), IV. Bd. (1340-1346), Nr. 156, S.257f. Ub. I, S. 518f., Nr. 569. 76) DIR, C. Transilvania, veacul XIV (13. Jahrhundert), S. 253, Nr. 243. Die 521,58 Mark, welche der Bischof ofiziell jedes Jahr an Rom abführte, veran- schaulichen die Diskrepanz zwischen dem durch den Papst festgelegten Betrag und der tatsächlichen Abgabe. Außerdem auch den Umstand, daß der Bischof von seinen Untertanen viel mehr eintrieb. Unsere Berechnungen zeigen, daß das siebenbürgische Bistum vergleichsweise zu anderen Bistümern im Jahr 1309 höchstens 50 Mark, in den Jahren 1310 und 1311 45 Mark hätte leisten müssen. Dioch der damalige Bischof Petrus hatte 11 bis 12 Mal mehr Geld eingetrieben, um den Jahresbetrag von 522 Mark abzuzahlen (vgl. Klaus Popa,
Betrachtungen zur Art der Steuereinhebung des Weißenburger Kapitels für den
heiligen Stuhl in den beiden ersten Jahrzehnten des 14. Jahhrunderts (MS)).
77) Ub. I, S. 368f., Nr. 398. Die Formulierung 'novella plantatio' ist widersprüch-
lich aufgefaßt worden. Unsere jüngste Untersuchung (vgl. Die Zwei Stühle
Mediasch und Schelk (Ms.)) verdeutlicht, daß 'novella plantatio' wenigstens
zwei Tatsachen ausdrückt: viele Dorfgemeinschaften erkauften ihre Freiheit
von ihren Besitzern, was eine Umorganisierung der Dekanate Mediasch und
Schelk zur Folge haben mußte. Viele Präbenden (Ländereien oder Zehntbeträge,
die zum Unterhalt eines Geistlichen dienten; einzelne Dorfgemeinschaften),
die durch Inkorporation und Konzentration wegen Vakanz oder Absenz der
Titulare zustandegekommen waren, wurden dezentralisiert (die Pfründenhäu-
fung ist in den Steuerregistern des päpstlichen Steursammlers Rufinus de Civinio
(1317-1320) bezeugt (Ub. I., S.324-330, Nr.352)).


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Der Papst beauftragte den Bischof von Olmütz (Olomouc in Mähren) mit der Untersuchung. Wenn die Beanstandungen der siebenbürgisch-sächsischen Geistlichen begründet waren, sollte der Bischof seinen siebenbürgischen Kol- legen und den Archidiakon zum heiligen Stuhl vorladen (der sich damals in der französischen Stadt Avignon befand), wo sie in drei Monaten eintreffen mußten. Obwohl die Untersuchung des Bischofs von Olmütz zugunsten der Schelker Pfarrer ausfiel, akzeptierte der König diesen Befund nicht und trug in einem Schreiben am 4. September 1323 den Stuhlsoberen von Schelk auf, ihre Pfarrer anzuhalten, dem siebenbürgischen Bischof Gehorsam zu leisten. Aus dem könig- lichen Schreiben ist auch zu entnehmen, daß der siebenbürgische Bischof und der Archidiakon vorgeladen wurden. Weißenburg schlug zurück, indem es die Schelker Pfarrer exkommunizierte (78). Der König war sehr unglücklich, daß der Frauendorfer Pfarrer Georgius bis zum Papst vorgestoßen war. Sein Schreiben an die Schelker Führung enthält Leitlinien bezüglich der Beziehung des Königs zu den siebenbürgischen Spitzeninstitutio- nen, Bischof und Woiwode; des Königs zu den siebenbürgisch-sächsischen Hospites; der siebenbürgischen Behörden zu den Siebenbürger Sachsen. Der König informiert auch, daß der Woiwode Thomas zwecks Herstellung der Ordnung den Schelker Stuhlsoberen weisungsbefugt ist (commisisse mag-
nifico viro Thomae vaivodae Transiluano aliqua vobiscum ordinandum
).
Der König verurteilt die Sachsen, die sich über die siebenbürgische Kirche beim
heiligen Stuhl beschwert hatten oder beschweren würden (ipsos ... notifi-
cantes
), weil er grundsätzlich mißbilligt, daß Prälaten und Kirchen seines
Reiches auswärts vorgeladen oder in Prozesse verstrickt werden (quod nulla
ratione pati volumus, quod praelati et ecclesiae regni nostri extra regnum nostrum
ad longinquas partes citentur vel in causam attrahentur ...
(79).

Der König ist zwar prinzipiell, aber er legt sich zu sehr auf den Woiwoden Thomas
und auf Bischof Andreas als vertrauenswürdige Faktoren fest. Weil der Gang der
Dinge das Gegenteil beweisen sollte.

Woiwode Thomas ist erstmals am 14. Januar 1324 als comes de Zonuk et
de Cibinio
(Oberrichter und militärisches Oberhaupt von Zonuk (80) und
der Hermannstädter Provinz) urkundlich (81). Der König stärkte die Stellung
von Thomas, als er ihm am 25. März 1324 die oberste (königliche) Gerichtsbarkeit
übertrug, die er zurückgenommen hatte, als sein Opponent Ladislaus siebenbür-
gischer Woiwode war. Der König betont in seiner Urkunde, daß diese Maßnah-
me von seinen treuen siebenbürgischen Anhängern gefordert wurde. Auch die
ungebrochene Königstreue und der Friedenswillen des Woiwoden, was die
erwähnten Siebenbürger und die seither ausgestellten Urkunden belegen, rechtfer-
tigten diese Maßnahme (82).

Der König schenkte dem Woiwoden die Burg Salgo in Südsiebenbürgen, die dem
untreuen Johann, Sohn von Komes Corrardus von Thalmesch, gehört hatte, samt
dessen Besitzungen (83). Karl Robert hatte vorher (am 5 August 1322) Nicolaus,
den Bruder von Johann, in Schutz genommen (84). Das Hauptziel des Königs
war, die strategisch wichtigen Burgen in Südsiebenbürgen, also in der Hermann-
städter Provinz, die das Eigentum sächsischer Rittergeschlechter waren, in seine
Gewalt zu bringen.

Die Machtfülle, mit der der König den Woiwoden Thomas bedacht hatte, führte
schließlich zum militärischen Widerstand von sächsicher Seite.
78) Ausschluß aus der Glaubensgemeinschaft der Kirche und ihrer Privilegien. 79) Ub. I, S. 376, Nr. 406. 80) Zonuk steht für Zolnok (Szolnok), das siebenbürgische Komitat, dessen Vor- ort Dees (rum. Dej) war. 81) Ub. I, S. 379, Nr. 411; DIR, veacul XIV, C. Transilvania, II. Bd. (1321- 1330), S. 104ff., Nr. 235. 82) ad continuas preces et instantias subiectivas hominum Transsil- uanorum fidelium nostrorum velut modestum fide constantem et pacis in vaivoda praeficimus Transsliuanum, omnem tranquillitatem et observantiam iustitiae in medio eorundem invenimus exercere, prout hoc ex relatione ipsorum Transsiluanorum et probabilibus documentis exinde datis colligitur evidenter (Ub. I, S.382, Nr. 415; DIR (siehe Anm. 81), S. 114f., Nr.
254.
83) Ub. I, S. 383, Nr. 416.
84) Ub. I, S. 365f., Nr. 395.


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Der siebenbürgische Feldzug König Karls und der "Aufstand" der Sachsen (1324)


König Karl traf in Südsiebenbürgen an der Spitze eines Heeres im Juni ein. Er hielt sich in Siebenbürgen bis September auf. Den Anlaß dieses Kriegszuges bot wahrscheinlich der Widerstand der Hermannstädter Sachsen gegen die Ver- suche von Woiwode Thomas, weitere Burgen in Südsiebenbürgen in seine Gewalt zu bekommen. Henning von Petersdorf (Petresti, Péterfalva) wider- setzte sich militärisch und wurde schließlich nach dem Aufenthalt des Königs in Siebenbürgen mit seinen Verbündeten niedergerungen. Es sind folgende Stationen Karl Roberts urkundlich zu erfassen: 17 Juni 1324 in der Nähe von Dewa (Deva) (85); 10. Juli, 16. Juli in der Nähe von Karácsonfalva (Craciunelu) am Unterlauf der Kokel (Tîrnava, Küküllö) (86), 25. Juli in der Nähe der villa Zeepmezeu (Schönau, Sona, Szépmezö) (87), 10. August in der Nähe von Scybinium (Hermannstadt) (88); 12., 14. August in der Nähe von Waras (Orastie, Szászvaros) (89). Vier Urkunden enthalten klare Hinweise, daß der Aufstand Hennings von Petersdorf nach dem Abzug des Königs aus Siebenbürgen ausbrach. Woiwode Thomas erwähnt am 2. Oktober 1324 quod cum ex praecepto Domini nostri
regis, Caroli Dei gratia illustris regi Hungariae, una cum regni nobilibus ac aliis
regnicolis partis Transilvaniae exercitum validum contra aemulos et infideles
eiusdem domini nostri accessimus
(90). Woiwode Thomas war auf Befehl
des Königs zusammen mit dem Reichsadel und anderen Bewohnern des Reiches
gegen die Rivalen und Untreuen des Königs mit einem starken Heer in Sieben-
bürgen eingetroffen. Der König liefert am 10. Oktober 1324 folgende Begründung
für seinen Heereszug: quod cum pro disponendis quibusdam regni nostri
negotiis ad partes Transilvanas accessimus et de Tartarorum insidiis utputa
Christi fidei hostium nostri et regni nostri inimicorum capitalium nobis providere
praecavereque volentes, ...
(91). Kein Word darüber, daß die Sachsen den
Anlaß dazu geboten hätten, lediglich die Erwähnung von Untreuen oder die Hinter-
list der Tartaren als Feinde der Christen und Hauptgegner seines Reiches, gegen
die der König sich vorsehen und vorbeugen wollte.

Die Urkunde vom 21. Dezember 1324, durch welche der König den sieben-
bürgischen Adel für treue Dienste (wohl im Kampf gegen die Sachsen) von
Abgaben und Steuern und von der Verpflichtung, den Woiwoden zu beher-
bergen und zu verköstigen, befreit, besagt, daß die Sachsen dem verschwöre-
rischen Ratschlag der Feinde des Königs gefolgt und dadurch untreu geworden
waren (92). Daß der königliche Heerzug nicht gegen die Sachsen gerichtet
war, belegt eine Urkunde vom 4. Juni 1327, die besagt, daß der König im Jahr
1324 nach Siebenbürgen gezogen war, um das Aufbegehren und die Verachtung
mancher gegen ihren natürlichen Herrn (dominum naturalis) - das ist
der König - zu unterdrücken (93).
85) Ub.I, S.385, Nr.418. 86) Ub. I, S. 386, Nr.419 and Nr.420. 87) Ub.I, S. 386, Nr.421. 88) Ub.I, S.386, Nr.422. 89) Ub.I, S.387, Nr. 423,424. 90) Fejér, Codex diplomaticus Hungariae ..., VIII 2, S. 589,
Nr. 275; Ub.I, S.388, Nr. 426.
91) Ub.I, S.388, Nr. 427.
92) DIR veacul XIV., C. Transilvania, II. Bd. (1321-1330), S. 137-139, Nr.303.
93) DIR, S. 223-226, Nr. 451.

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Der "Aufstand" Hennings von Petersdorf begann kurz vor dem 21. Dezember 1324. Seine Besitzungen fielen aufgrund des geltenden Rechts, daß die Ländereien der Königsuntreuen an den König fielen, an den König, der sie seinem treuen Woiwoden Thomas übertrug. Doch der Woiwode beschloß, den Besitz den Verwandten Hennings, Nicolaus, Sohn des Salomon, Nicolaus, Sohn des Daniel und den Waisen von Komes Henning für die Summe von 200 Mark feinen Silbers am 12. April 1325 zu überlassen (94). Der Woiwode tat diesen Rückzieher sicherlich nicht nur ums Geld, sondern vor allem, um die durch den Tod Hennings enstandene Spannung zu entschärfen. Die Rückerstattungsurkunde des Woiwoden sowie die Privilegienurkunde des Königs für den siebenbürgischen Adel vom 21. Dezember 1324 berufen sich auf mindestens zwei Schlachten der ungarischen Truppen gegen die Sachsen. Die Urkunde des Woiwoden behauptet, alle Sachsen Siebenbürgens hätten sich gegen ihren König unter der Führung von Henning von Petersdorf erhoben ( cum universi Saxones terrae Transilvanae ausu temerario contra domini nostri regis potentiam hostiliter unsurrexissent ...). Der König schickte sämtliche
Kumanen (universos Cumanos), um Woiwoden Thomas gegen die Sachsen
beizustehen. Comes Henning fand in der Schlacht gegen die Kumanen den
Tod (95). Das Privileg des Königs für die siebenbürgischen Adligen erwähnt eine
Schlacht, die auf offenem Feld stattfand mit schweren Verlusten an Menschenleben
und den meisten überlebenden Ungarn verwundet, aber doch siegreich (96).

Doch diese schwere Schlacht scheint unentschieden ausgegangen zu sein, obwohl
der König von Sieg spricht. Der Tod von Henning von Petersdorf scheint noch
mehr Sachsen auf den Plan gebracht zu haben, selbst wenn sie schließlich den
königlichen Truppen unterlagen. Das Aufbegehren der Sachsen hatte gezeigt,
daß sie über eine effiziente militärische Organisierung verfügten, die in den Sieben-
bürgen- und Reichsdienst eingebunden werden mußte. Doch das königliche Privileg
für die siebenbürgischen Adligen weist in die entgegengesetzte Richtung.

Der Widerstand der Sachsen war das Ergebnis der allzu großzügigen Politik
von König Karl gegenüber seinem treu ergebenen Woiwoden Thomas. Dieser
ist am 14. Januar 1324 erstmals als comes, d.h. oberster Richter und
Militärführer der Hermannstädter Provinz bezeugt (97). Als solcher mußten die
Hermannstädter Sachsen der Militärstrategie des Woiwoden bedingungslos
Folge leisten. Doch Komes Henning von Petersdorf scheint sich geweigert zu
haben, königlichen und siebenbürgischen Truppen den Einzug in seine Burg zu
gestatten (98). Das war ein empfindlicher Schlag für die Politik des Königs, die
militärischen Ressourcen der Hermannstädter Sachsen seiner Offensive gegen
die tartarische Gefahr dienstbar zu machen (99).

Die den Tartaren zugesprochenen Absichten kamen eigentlich aus der Walachei,
die seit dem Mongolensturm von 1241-42 in mongolische Abhängigkeit gelangt
war, sich aber in der Zwischenzeit unabhängig gebärdete. Der König und sein
Woiwode erblickten darin eine Gefahr, vor allem auf konfessioneller Ebene.
94) Ub.I, Nr. 431, 432, S. 391f. und 392f. 95) Ub. I, S. 395f., Nr. 432. 96) Siehe Anmerkung 92. 97) Siehe Anmerkung 81. 98) Die Burg ist erstmals 1309 urkundlich (Ub. I, S. 288, Nr. 314: sacerdos de sub castro Petri. Ferner am 22. Januar 1324 als
villa eorum de sub castro Petri (Ub. I, S. 380, Nr. 412) erwähnt.
99) Vgl. die königliche Urkunde vom 10 Oktober 1324 (Anm. 91).

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Man erinnere sich an die Formulierung "die Hinterlist der Tartaren als Feinde der Christgläubigen und als Hauptfeinde des Königs" in der Urkunde vom 10. Oktober 1324 (100). Es muß auch berücksichtigt werden, daß Karl Robert ein katholischer König war, dessen Politik mit der der Kurie (Roms), die Skismatiker (griechisch-orthodoxen Christen) zum Katholizismus zu bekehren. Auch der sich unabhängig gebärende walachische Staat, der wohl einen starken Einfluß vor allem auf die Rumänen der Hermannstädter Provinz zu gewinnen schien, kam der ungarischen Führung ungelegen, die bestrebt war, die Walachei unter ihren Einfluß zu bringen. Die sich daraus ergebenden Spannungen blieben für die nächsten 6 Jahrhunderte eine Grundkonstante in den Beziehungen Sieben- bürgens zur Walachei. 100) Siehe Anm. 91.


Dokument.../krobert.htm/ Erstellt: 15.12.1996. Letzte Änderung 7.03.1997; Autor: Klaus Popa