Die Herrschaft von König Ludwig I. (1342-1382)

I. Das Burzenland im Kriegstrubel

Ludwig I. stieg im Jahre 1242 auf den ungarischen Königsthron. Seine vierzigjährige Herrschaft brachte dem Burzenland und Siebenbürgen Stabilität und Blüte, deren Grundlagen zum Teil sein Vater Karl Robert gelegt hatte. Ludwig betrieb in seinen ersten Regierungsjahren eine Absicherungspolitik der östlichen und südlichen Grenzen Siebenbürgens. Zu diesem Zweck mußte die Vorherrschaft der Mongolen in der Moldau gebrochen werden. Die Walachei hatte sich schon zur Zeit Karl Roberts aus der mongolischen Einflußsphäre gelöst, so daß Ludwig I. ganz Siebenbürgen zur Vertreibung der Mongolen aus der Moldau einsetzte.
Doch als erstes mußte Siebenbürgen stabilisiert werden. Zu diesem Zweck unternahm der König einen Feldzug nach Siebenbürgen. Der Zisterzienserabt Johannes Victoriensis (Viktring in Kärnten) berichtet in seinem Liber certarum historiarum über den großangelegten Kriegszug Ludwigs nach Siebenbürgen im Jahr 1343, der mit dem Tod vieler Streiter endete (1343 Ludewicus Ungarorum rex precipitis animi cum immenso exercitu vadens ad partes Transilvinas (transsiluanas), amissis pluribus, rediit, fremens vindictam cotidie meditatur. (Falsa: rex seditiones Transsilvaniae et Walachiae sine bello compescuit)1 . Doch dieser Feldzug war nicht gegen die noch in der Moldau waltenden Mongolen gerichtet2, sondern laut erzbischöflicher Urkunden gegen den übermäßigen Einfluß der Skismatiker (scismaticos) und gegen „die, die den christlichen Glauben schlecht pflegen“ (malos Christianae fidei cultores). So drückt sich Chanadinus aus, der Erzbischof von Gran, in einer für die Zisterzienserabtei Kerz am 14. November 1343 ausgestellten Urkunde3. Diese sollen unter dem unerwünschten Einfluß der unbezwungenen und unabhängigen Walachei gestanden und die Besitz- und Zinsverhältnisse in Südsiebenbürgen verwirrt haben4.
Das Beispiel der Abtei Kerz ist kennzeichnend für die Verwirrung, in die die südsiebenbürgischen Besitzverhältnisse gelangt waren. Aus dem Dokument des Erzbischofs ist zu entnehmen, daß Besitzungen der Abtei Kerz durch Komites, Kastellane oder Adlige unrechtmäßig besetzt worden waren und daß sich außerdem auch andere Stände der Bevölkerung und manche Pfarrherren in die Angelegenheiten der Abtei eingemischt und ihr Besitztum verschleudert hatten.
Am 17. November 1343 stellte Chanadinus eine weitere Urkunde aus, in der die Beziehungen zwischen Geistlichen und Laien bestimmt und auch der wunde Punkt der Einbehaltung, der Entwendung oder des Angriffs auf den Zehnten der Kirchen und Pfarrer geregelt wird5. Diese Problematik wird auch von Johannes, dem Archidiakon von Küküllö (Kokel), in seiner Beschreibung der Taten Ludwigs I. erwähnt: De prima exercituali expeditione Ludowici regis, contra Saxones. Interea accidit, ut quaedam gens Saxonum, in ejus regno, in partibus Transsilvanis, quasdam commotiones fecisset et censum consuetum ac iura regalia solvere denegassent ... 6.


1 IOHANNES ABBATIS VICTORIENSIS Liber Certarum Historiarum, edidit Feodorus SCHNEIDER, Tomus II, Libri IV-VI (Scriptores Rerum Germanicarum in usum scholarum ex Monumentis Germaniae Historicis separatim editi), Hannoverae et Lipsiae, 1910, Cap.XII, S.233. Dazu Serban PAPACOSTEA, O întregire documentarã la istoria întemeierii Moldovei, in: Geneza statului în evul mediu românesc, Cluj-Napoca 1988, S.68.
2 Wie das PAPACOSTEA (wie Anm.1), S. 70 meint.
3Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen, hg. von Franz ZIMMERMANN, Carl WERNER und Georg MÜLLER; 2: Band, Hermannstadt 1897 (fortan Ub.II), Nr.593, S.10f.
4 Ganz anderes der Bericht des etwa 150 Jahre nach den hier behandelten Ereignissen schreibenden Chronisten THUROCZI, der in seiner Chronik die Sachsen für die Unordnung in Siebenbürgen verantwortlich macht: Anno MCCCXLIII. accidit, vt quaedam gens Saxonum in regno (Ludovici) in partibus Transsilvanis, quasdam commotiones fecisset, et censum consuetum, ac iura regalia soluere denegasset. Copioso igitur moto exercitu, idem Rex cum suis baronibus, militibus, nobilibus et regnicolis, ad conterendam ipsorum proteruiam personaliter accessisset, et eis refrenatis, ac ad obedientiam reductis, laudabiliter triumphando remeauit. Bei Georgius FEJER, Codex Diplomaticus Hungariae Religiosus ac Civilis, Tomus IX, vol. I (1342-1350), Nr. XXXVIII, S.107f.
5 Ub.II, Nr.594, S.12-14.
6 J.G. SCHWANDTNER, Scriptores Rerum Hungaricarum, 1. Bd., Wien, S.173. Dazu PAPACOSTEA (wie Anm.1), S.69.


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Der Erzbischof von Gran war im November in Hermannstadt7. In der Hermannstädter Provinz siedelten außer Sachsen auch Rumänen, also schismatici. Der Kriegszug des Königs zwischen Ende März und Mitte August 13448 war zweifelsohne nicht nur gegen die Sachsen, sondern auch gegen die in der Hermannstädter Provinz siedelnden Rumänen gerichtet. Obwohl der Ausgang des südsiebenbürgischen Feldzuges bei Johannes Victoriensis negativ und bei Johannes von Küküllö positiv ausgemalt wird, beziehen sich die beiden Berichte auf ein und dasselbe Ereignis. Warum nun der Bericht des Kärtner Zisterzienserabtes der Wahrheit näher steht, ist unschwer auszumachen: er war nicht subjektiven Pflichtleistungen verhaftet, wie Johannes von Küküllö, der die Taten seines Herren positiv darstellen mußte. Es wäre des Umstandes Rechnung zu tragen, daß Johannes Victoriensis Zisterzienser war und daß er das Kriegsereignis festhielt, weil es auch um ein Kloster seines Ordens, die Abtei Kerz, ging.
Der lange Aufenthalt des Königs im Burzenland und in der Hermannstädter Provinz mit einem „riesigen“ (immenso) (Joh. Victoriensis) bzw. „zahlreich aufgebotenen“ (copioso moto) (Joh. von Küküllö) Heer spricht für zähen Widerstand in Südsiebenbürgen. Der Erfolg blieb aus (der König dachte täglich zähneknirschend an Rache - fremens vindictam cotidie meditatur - Joh. Victoriensis). Der Groll des Königs scheint vor allem gegen die Sachsen des Burzenlandes gerichtet gewesen zu sein, u.zw. gegen die erfolgslosen oder zögerlichen Komites des Burzenlandes und von Bistritz, Johannes und Jakobus Sommer, die allem Anschein nach ihres Amtes entsetzt wurden. Um nicht weitere Einbußen in Kauf nehmen zu müssen, ließ Jakobus Sommer am 4. August 1343 die Urkunde König Karls von 1331 über den von seinem Onkel Salamon geerbten Besitz durch das Kapitel in Großwardein beglaubigen9.
König Ludwig hatte sich zum Ziel gesetzt, die Mißstände in Südsiebenbürgen zu beseitigen, um einen entscheidenden Feldzug gegen die Mongolen in der Moldau führen zu können. Auch die Walachei war in den 13 Jahren seit dem erfolglosen Kriegszug von König Karl weiterhin erstarkt. Südsiebenbürgen scheint seither seine eigenen Wege eingeschlagen zu haben, obwohl König Karl in seinen letzten Regierungsjahren sein Augenmerk auf die südost- und ostsiebenbürgische Front gegen die Mongolen gerichtet hatte. Dieser Politik entspricht die Erhebung der Burzenländer Brüder Johannes und Jakobus Sommer noch vor dem 15. Januar 134110 zu Komites von Bistritz und Burzenland. Die Würde wurde auf Andreas Lachk aus der Maramuresch übertragen, der auch Szeklerkomes war. Er ist erstmals am 18. Oktober 1344 in diesen Ämtern bezeugt11.
Vor dem 18. März 1344, als Papst Clemens VI. die Vernichtung von mehr als 40 Dominikanerklöstern (monachi nigres) durch die Mongolen, ebenso deren Besetzung durch Geistliche, andere geistliche Orden und durch zahlreiche Laien beklagte12, fand ein Mongoleneinfall nach Ungaren statt, wohl gleichzeitig mit dem


7 Hermannstadt ist der Ausstellungsort der Urkunden unter Anm. 3 und 5.
8 PAPACOSTEA; wie Anm.2.
9 Ub.II, Nr.591, S.9.
10 In der Urkunde Ub.II, Nr.561, S.511 sind die beiden erstmals als Komites von Bistritz und Burzenland bezeugt.
11 Documente privind istoria României (DIR), C. Transilvania, veacul XIV, 4.Bd., Nr.270, S.213f.: Andreas Lachk comes trium generum Siculorum, de Brassow et de Bistricia.
12 NAGY Imre (Hg.), Anjoukori Okmánytár - Codex Diplomaticus Hungaricus Andegavensis, 4. Bd., Budapest 1884, Nr.240, S.406-408.


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Einfall nach Polen, den der polnische Chronist Dlugosz erwähnt13. Die offensive Politik der Mongolen wollte nicht nur das 1343 zwischen Polen und Ungaren zustandegekommene Bündnis erschüttern, sondern steht zweifelsohne auch mit dem Regierungswechsel an der Spitze der Goldenen Horde in Verbindung, wo Janibeg (1342-1357) die Nachfolge seines Vaters Özbeg/Özbek (1312-1342) angetreten hatte14.
Die Antwort Ludwigs kam nicht gleich, weil zunächst die Lage in Siebenbürgen stabilisiert werden mußte. Die Lage in der Hermannstädter Provinz nach dem Einschreiiten des Erzbischofs von Gran im November 1343 hatte sich wesentlich verbessert. Ludwig kam mit einem Heer nach Siebenbürgen, das wahrscheinlich mit seklerischen Truppen verstärkt wurde, um gegen siebenbürgische „Skismatiker“ und gegen die Walachei vorzugehen. Aus dem Auftrag an den siebenbürgischen Woiowden Nikolaus vom 8. März 1344, die Verhandlungen in der Streitsache des Nikolaus Wos bis zu seiner Ankunft in Siebenbürgen zu vertagen15, spricht die Absicht des Königs, während seines Aufenthalts auch besitzrechtliche und andere Fragen zu lösen. Der König knüpfte an die durch Chanadinus im November 1343 inangriff genommene Lösung südsiebenbürgischer Angelegenheiten. Der Erzbischof bestätigte während seines erneuten südsiebenbürgischen Aufenthalts am 14. Juli 1344 einen im Jahr 1342 der Allerheiligenkapelle in Stolzenburg verliehenen Ablaßbrief16. Der König stellte in Weißenburg am 27. Juli 1344 eine Urkunde mit Bestimmungen für die siebenbürgische Kirche aus, wobei er auch die Frage des Zehnten regelte. Er bestimmte, daß die Bewohner Siebenbürgens dem Weißenburger Bischof für einen Garbenhaufen ein Pfund Denare nach dem in der königlichen Schatzkammer gebrauchten Gewicht zahlen sollten (unum pondum denariorum camere nostrae ad computum denariorum)17.
Das erste und damit wichtigste Ziel des Königs war das Burzenland, wie aus der Chronologie der überlieferten Urkunden zu schließen ist. Der König hatte die strategische Spitzenrolle des Burzenlandes in der Beeinflussung und Finalisierung seiner politischen und militärischen Ziele in der Walachei und Moldau erkannt. Am 15. Juni 1344 urkundete er für den siebenbürgischen Woiwoden in descensu nostro prope civitatem de Brassow, in der Nähe Kronstadts18. Das Heer, das Ludwig mitgebracht hatte, sollte ähnlich dem seines Vaters Karl im Jahre 1324 in und aus der Hermannstädter Provinz Druck ausüben. Die Rechnung ging auf, denn laut Johannes von Küküllö huldigte der rebellische Woiwode Alexander dem König. Dem Bericht des Chronisten ist zu entnehmen, daß es zu Verhandlungen und auch zu einem Abkommen kam19.


13 Bei PAPACOSTEA (wie Anm.2), S.71.
14 Peter B. GOLDEN, An Introduction to the History of the Turkic Peoples. Ethnogenesis and State-Formation in Medieval and Early Modern Eurasia and the Middle East (Turcologica, Bd. 9), Wiesbaden 1992, S.298.
15 Ub.II, Nr.597, S.15f.
16 Ub.II, Nr.602, S.21.
17 Ub.II, Nr.604, S.23f.
18 Ub.II, Nr.600, S.18.
19 Ganz anderes stuft Sergiu IOSIPESCU, Despre unele controverse ale istoriei medievale românesti (sec. XIV), in: Revista de istorie, Tom 32, nr.10, 1979, S.1959-1978, die Ereignisse ein, indem er Alexandru Basarab als Woiwoden der Rumänen im Fogarascher Land ansieht sowie als Vertreter seines Vaters Basarab I., der ihn mit der Verteidigung des Fogarascher Landes gegen die angevinische Macht beauftragt haben soll (S.1970). IOSIPESCU setzt voraus, daß Woiwode Basarab im Jahre 1343 noch am Leben war, was nicht zutreffen kann, wie unsere weiteren Ausführungen zeigen.


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Es ist die Frage erlaubt, ob die militärische Gewaltschau von König Ludwig ausreichte, um einen trotzigen Staat wie die Walachei zur Zusammenarbeit zu bewegen? Beim Erfolg des Königs scheint ein weiteres Element mitgespielt zu haben. Wir denken an die Möglichkeit, daß selbst die Walachei Anfang 1344 ein Opfer des breitfrontigen mongolischen Einfalls nach Polen und Ungaren wurde, so daß es schon deshalb in ihrem Interesse lag, mit dem stärkeren Nachbarn gegen die Mongolen vorzugehen.
Die Bereitwilligkeit der Walachei zur Zusammenarbeit mit Ungaren könnte auch darauf zurückgehen, daß Woiwode Basarab, der 1330 Karl Robert getrotzt hatte, verstorben war und dessen Sohn Nikolaus Alexander die harte außenpolitische Linie seines Vaters nicht lange durchhalten konnte20.
Auch Johannes und Jakobus Sommer werden ihr Amt als Komites von Burzenland und Bistritz während des königlichen Aufenthalts im Burzenland im Monat Juni 1344 an den damaligen Seklerkomes Andreas Lachk abgetreten haben. Nach dem Zustandekommen der ostsiebenbürgischen Abwehr- und Angriffsfront durch die Personalunion des Andreas Lachk als Komes der Sekler, von Bistritz, Burzenland und Maramuresch, konnte der Krieg gegen die Mongolen beginnen. Doch das vom Chronicon Dubnicense angegebene Jahr 1345 ist urkundlich nicht zu belegen. Hingegen ist ein Heerzug von König Ludwig in das heutige Bosnien bezeugt: er urkundete am 22. Juli 1345 in der Nähe von Bihács21.
Tatsache ist, daß die Mongolen durch den moldauischen Kriegszug vom siebenbürgischen Abschnitt der ungarischen Grenze verdrängt wurden. Die Erfolge östlich der Karpaten fanden ihren Niederschlag in der Wiederbelebung des Bistums Milkow, die Papst Clemens VI. am 29. März 1347 urkundlich verordnete22. Dieses Datum ermöglicht die Ansetzung des moldauischen Feldzuges im Sommer 1346. Aber keinerlei Urkunden bezeugen, daß der König an diesem Feldzug persönlich teilnahm. Er wurde wohl durch den neuen starken Mann in Siebenbürgen, den vielfachen Komes Andreas Lachk, und durch andere Vertrauensmänner des Königs geführt und für Ungaren gewonnen. Ein weiterer Vertrauensmann des Königs war auch der siebenbürgische Woiwode Stephanus, der erstmals am 12. Mai 1345 auftritt, u.zw. in Visegrad23. Er begleitete seinen Herrn offenbar nach Bosnien, oder er versah Reichsangelegenheiten solange der König in Bosnien war24. Stephanus war siebenbürgischer Woiwode bis 135025, woraus jedenfalls seine Abkömmlichkeit in Reichsangelegenheiten spricht. Wie verdienstvoll er war, bezeugt der am 26. Juli 1349 abgeschlossene Landfrieden zwischen den ungarischen Truppen und dem sizilischen Herrschaftsgebiet des Königs von Ungaren, wo Woiwode Stephan als erster der vertragsschließenden Ungaren angeführt wird26.


20 Es ist nicht glaubhaft, daß Basarab I. bis ins Jahr 1352 regiert hat, wie das die zeitgenössische rumänische Geschichtsschreibung behauptet (vgl. Serban PAPACOSTEA (wie Anm.), S.73). Die vorausgesetzte Langlebigkeit bzw. lange Herrschaft Basarabs baut auf unhistorischen Erwägungen auf. Warum sollte man dem Bericht von Johannes von Küküllö, daß der walachische Vertragspartner Alexandru hieß, abweisen? Ist es nicht glaubwürdiger, Basarab I. etwa vom Jahr 1322 bis 1343 oder 1344 herrschen zu lassen, anschließend Alexandru von 1343 (1344) bis 1364 und Wladislaw Wlaiku von 1364 bis 1378?
21 NAGY (wie Anm.12), Nr.316, S.518.
22 Agustinus THEINER (Hg.), Vetera Monumenta Historica Hungariam Sacram Illustrantia, Rom, 1. Bd., Nr.1107, S.737; Ub.II, Nr.621, S.39f.
23 NAGY (wie Anm.12), Nr. 308, S.506-508; Ub.II, Nr.610, S.28f.
24 DERS., Nr.369, S.633f (1346, 15. August): der Woiwode urkundet über siebenbürgische Besitzangelegenheiten in Visegrad.
25 Er ist als solcher noch am 16. Oktober 1350 bezeugt (NAGY (wie Anm.12),.Nr.189, S.329f.).
26 FEJÉR (wie Anm.4), Nr.CCCXCVII, S.739-754.


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Mit dem antimongolischen Feldzug in die Moldau begann der Aufstieg neuer „Milites“-Geschlechter in Kronstadt. Zum älteren Militesgeschlecht der Eppendorfer, das noch vor dem Jahr 1324 im Burzenland Fuß gefaßt hatte, gesellte sich das Geschlecht des „Sandur“, das Besitzungen in der Nähe von Tîrgu Secuiesc (Szekelyvasárhely) hatte, also nach der Ernennung des Seklerkomes Andreas Lachk ins Burzenland einzog.
Die Bedeutung der „Kerzer Frage“ liegt darin, daß die Abtei in Fogarascher Land eine ausgedehnte Besitzung hatte und daß der König im damaligen politischen Kontext dem Fogarascher Land eine wichtige außenpolitische Rolle zuweisen wollte. Die Abtei Kerz besaß seit 1205-1206 oder 1208-1209 eine 1334 angeführte Besitzung, die sich zwischen den Bächen Arpasch und Kurchz (Kerz) bis zu den Karpaten (usque alpes) erstreckte. Diese Besitzung können die schismatici, rumänische Adlige und das Volk, verletzt haben. Es ist auch nicht auszuschließen, daß Johannes und Jakobus Sommer eine oder mehrere Besitzungen ihres Onkels Salamon in der Nähe des Kerzer Landes auf Kosten der Abtei erweitert hatten. Deshalb ihre mutmaßlichen Befürchtungen, diese Besitzungen verlieren zu können. Die beiden Komites des Burzenlandes scheinen die neue Akzentsetzung des Königs in der hermannstädter und fogarascher Politik begriffen zu haben.
Wenn tatsächlich militärischer Druck auf die Walachei ausgeübt wurde, wirkte der, solange der König im Burzenland im Monat Juni 1344 weilte. Alexander wird im Grenzgebiet des Burzenlandes zur Walachei gehuldigt haben. Denn Johannes von Küküllö berichtet, daß die Unterwerfung circa confinia ipsorum partium (transilvanarum) (in der Nähe der siebenbürgischen Grenze) erfolgte.
Die Bestätigung der Sommerschen Urkunde fand jedenfalls in einer trüben Zeit statt, u.zw. im letzten Monat des kriegerischen Aufenthalts von König Ludwig in Südsiebenbürgen. Ludwig erkannte rechtzeitig, daß die kompexen Probleme Siebenbürgens, vor allem die der Sachsen des Weißenburger Bistums, nicht durch Waffengewalt zu lösen sind. Er erließ deshalb am 27. Juli 1344 klare Bestimmungen bezüglich des Gerichts-, Besitz- und Zehntrechts der Weißenburger Kirche. Damit wurde auch die Möglichkeit von Übergriffen seitens des Weißenburger Bischofs geschmälert.
Jetzt glauben wir erklären zu können, warum der Zisterzienserabt Johannes Victoriensis keinen siebenbürgischen Gegner anführt, gegen den Ludwig I. den Feldzug des Jahres 1343 richtete, und warum Johannes von Küküllö die Sachsen als Ziel des Feldzuges nennt. Johannes Victoriensis erhielt die Informationen über den verlustreichen Feldzug aus zisterziensischen Kreisen, wahrscheinlich gerade von der Kerzer Abtei. Die schweren Kämpfe, die der König damals austragen mußte und denen laut Johannes Victoriensis viele Streiter zum Opfer fielen (plurimis amissis), wurden wahrscheinlich nicht im eigentlichen Sachsenland (in der Hermannstädter Provinz) ausgetragen, sondern gegen die Skismatiker des Fogarascher Landes, deren Widerstand nicht unbedeutend war.
Johannes von Küküllö schiebt den Sachsen die Hauptschuld für die Notwendigkeit einer Expedition zu, weil er einem Archidiakonat vorstand, in dem zahlreiche Sachsen siedelten und die Sachsen des Weißenburger Bistums gegen die Willkürherrschaft von Bischof Andreas Stellung bezogen hatten.

27 Gernot NUSSBÄCHER, Aus der Kerzer Geschichte, Neuer Weg vom 08.11.1973.
28 Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen, hg. von Franz ZIMMERMANN und Carl WERNER, Hermannstadt 1892, Nr.38, S.27f.
29 Ub.II, Nr.604, S.22f.

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Damit glauben wir den Nachweis erbracht zu haben, daß die Berichte von Johannes Victoriensis und Johannes von Küküllö trotz der gegensätzlichen Berichterstattung ein und dasselbe Ereignis im Auge haben, nicht zwei unterschiedliche Ereignisse, wie das Serban PAPACOSTEA zu beweisen versucht30.
Der „Super“-Komes Andreas Latzk war bis 1350 an der Spitze der Sekler, von Bistritz, Maramuresch und von Burzenland. So heißt es in einer am 31. März 1350 in Ofen ausgestellten Urkunde: Comes Siculorum, de Bistricia, de Marmorisio et de Brassau31. Erst ab 1351 bildete nur noch das Burzenland und das Seklerland unter dem Seklerkomes Nikolaus einen Verbund, der bis 1377 bestand.
Die siebenbürgischen Probleme dauerten an, worauf aus dem erneuten Aufenthalt des Königs im Herbst 1349 geschlossen werden kann. Diesmal war es der siebenbürgische Bischof Andreas, der den Zorn des Königs hervorgerufen hatte. Die Ernsthaftigkeit des Konflikts spricht aus der Äußerung des Vizewoiwoden Petrus aus dem Jahr 1346, man müsse die Besitzungen der weißenburger Kirche und des siebenbürgischen Kapitels so niederbrennen, wie das zur Zeit Gaans, des Sohnes von Alard, geschah32. Es bestanden offenbar Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Woiwodat und der Weißenburger Kirche.
Der König ist im Jahr 1349 erstmals am 29. August in Weißenburg (Alba Jule) bezeugt33. Dann ist er in Felvincz am 9. September urkundlich34. Andere bezeugte Aufenthaltsorte des Königs: 5. Oktober 1349 Mühlbach35; 11.,20.,26. Oktober, 5. November Weißenburg36. Eine Brief des Königs vom 8. November 1349 an sämtliche Würdenträger und Proeminenten, ausgestellt in Deva, beklagt die Untreue des Bischofs von Weißenburg. Der Bischof hatte dem König den Einzug nach Weißenburg verweigert, worauf der König die Magister Dominicus dictus Machka filius Johannis de Zolyo und Dominicus filius Nicolai de Chaty beauftragte, den Bischof festzusetzen und dessen Burgen, Besitztümer und Güter für den König zu beschlagnahmen37. Bald darauf kehrte der König nach Ofen zurück, wo er bereits am 12. November urkundlich ist38. Die Entzweiung mit dem siebenbürgischen Bischof dauerte nicht lange, weil dieser bereits in einer königlichen Urkunde vom 10. Dezember 1349 erwähnt wird39. In den nächsten Jahren bemühte sich der König, die Besitzansprüche der weißenburger Kirche friedlich zu lösen, indem er am 24. April 1352 der Bitte des weißenburger Bischofs Andreas stattgab und das Kapitel von Varad beauftragt, Besitzurkunden der Archidiakone Vincentius und Ladislaus zu transumieren40. Auch der Bitte des Bischofs, das Kapitel von Warad möge die auf die Besitztitel des siebenbürgischen Bistums bezugnehmenden Urkunden transumieren, gibt der König ebenfalls am 24. April 1352 statt41. Bischof Andreas hatte eine Machtbasis, die der König nicht brechen konnte, so daß er sich entschloß, mit dem Bischof für das Gelingen weiterer Kriegsvorhaben gegen die Walachei oder Moldau zu kooperieren.


30 PAPACOSTEA (wie Anm.1), S.69ff. 31 Ioan MIHÁLY DE APSA, Diplome maramuresene din secolele XIV si XV, Maramures-Sziget, 1900, Nr.15.
32 BEKE Antal (Hg.), Die Urkundensammlung des siebenbürgischen Kapitels in: Történelmi Tár 1889, Nr.121, S.756. Das Kapitel von Varad bezeugt auf Wunsch der weißenburger Kanoniker die Äußerung des Vizewoiwoden.
33 SZABÓ Károly, A Gróf Tholdalaghyak Radnótfáji Levéltárából, Tört.Tár 1888, Nr.7,S. 86.
34 Ub.II, Nr.641, S.61.
35 Ub.II, Nr.645, S.64.
36 Ub.II, Nr.647, S.65; Nr.648, S.65f.; Nr.649, S.67; Nr.653, S.71f.
37 NAGY (wie Anm.12), Nr.194, S.337-338.
38 DERS., Nr.195, S.338.
39 DERS., Nr.198, S.343f.
40 BEKE (wie Anm.34), Nr.129, S.758.
41 DERS., Nr.131, S.758.




Datei: KöLudw.htm; Erstellt: 08.12.1997; Geändert: ; Autor: Klaus Popa