IV. Die Ereignisse nach 1324 samt der Integration des Burzenlandes ins ungarische Königreich

©Klaus Popa

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Das im südöstlichen Winkel Siebenbürgens liegende Burzenland (Tara Bârsei, Barcaság) hatte seit seiner letzten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1294 eine eigenständige Existenz geführt. In diesem Jahr hatte König Andreas III. Nicolaus von Rosenau (Rîsnov, Rozsnyó) die Verleihung einiger Burzenländer Besitzungen durch König Ladislaus IV. bestätigt (101). Der militärische Besuch, den der König im Spätsommer 1324 Siebenbürgen abstattete, galt dem Burzenland nicht. So konnte die miltärische Führung, die während der Thronwirren an die Macht gelangt war, auch in der ersten Hälfte der Regierung von Karl Robert unab- hängig agieren. Die Verbindungen zu Ungarn, dem eigentlichen Mutterland, waren sehr locker. Die unabhängige Stellung des Burzenlandes ist auch 1324 offensichtlich, als Woiwode Thomas in der Nähe von Reps (Rupea, Köhalom) lagerte (102), wo sich eine starke Burg befindet. Anscheinend blieb der Ver- such der ungarischen Führung, in Südostsiebenbürgen Präsenz zu zeigen, bei Reps zum Stillstand, also gerade vor den Toren des Burzenlandes. Ein Schreiben von Papst Johann XXII. vom 1. Februar 1327 an Komes Salamo von Burzenland, an den siebenbürgischen Woiwoden Thomas und an den vaivoda Transalpinus Bazaras sowie an Mikth, den banus von Slawonen, in dem die Addressaten aufgefordert werden, die Dominikanermission gegen die Un- gläubigen (Häreteiker) zu unterstützen (103), veranschaulicht die militärische, politische und kirchliche Sonderstellung des Burzenlandes. Komes Salamo, ein Mitglied der Komites-Familie Sommer, steht auf derselben Stufe wie der siebenbürgische Woiwode, was auf seine bedeu- tende politische Rolle an dieser östlichen Grenze des Katholizismus schließen läßt. Die Missionierungs- und Bekehrungsoffensive, die Papst Johann XXII. in diesem Teil Südosteuropas einleitete, half zweifelsohne Komes Salamo, seine Stellung gegenüber dem Anjou-König in Ofen zu behaupten und zu festigen.
101) Die Verleihung durch Ladislaus IV erfolgte wahrscheinlich im Herbst 1288. Der König urkundete nämlich am 27. Oktober 1288 in Kronstadt (Ub. I, S.159, Nr.225). Die Bestätigung durch Andreas III. in (DIR, veacul XIII., C. Transilvania, Bd. II, Nr. 451, S. 403f.). 102) Fejér, Codex diplomaticus Hungariae ...., VIII 2, S. 589, Nr. 275; Ub. I, S. 388, NR. 426; DIR, S. 133ff., Nr. 290. 103) Ub. I, S. 408f., Nr. 452; S. 410, Nr. 454. "Banus" ist der slawische Begriff für 'Markgraf' (Herr oder Verwalter einer Grenzprovinz). Seite 21 Der Umstand, daß das Generalkapitel Barchinona in Aragon (Spanien) des Dominikanerordens 1323 beschloß, ein Kloster in Kronstadt zu gründen (104), deutet auf das politische Einvernehmen von Komes Salamo, der Bürger von Kronstadt und des Papstes. Diesem Beschluß muß eine Penetration des Katho- lizismus in die Walachei bereits einige Jahre zuvor vorangegengen sein. Die Sonderstellung von Komes Salamo ergab sich auch aus dem siegreichen Bund mit dem siebenbürgischen Woiwoden und dem Woiwoden der Walachei Basa- rab (der Papst nennt ihn Bazaras) gegen die Mongolen. Diese Männer schei- nen 1326 den Sieg erfochten zu haben, welchen die "Chronik des Preußenlandes" unter dem Namen Karl Roberts erwähnt. Die in Ungarn eingedrungenen "Tarta- ren" sollen 30.000 Tote verloren haben (105) . Dieser mongolische Einbruch könnte eine Antwort auf den Erfolg von Karl Robert gewesen sein, den Woiwo- den der Walachei im Jahr 1324 zum Vasallen gewonnen zu haben. Für die Unter- ordnung des Woiwoden spricht jedenfalls die Titulatur woyuoda noster Transalpinus (unser transalpiner Woiwode), die Karl Robert in einer Urkunde vom 29. Juni 1324 benutzt (106).

Das unabhängige Auftreten des Burzenlandes, vor allem des in den Augen des Königs die Komes-Würde des Burzenlandes usurpierenden Komes Salamo, wirkte störend in der Siebenbürgen- und transkarpatischen Politik. So nimmt es nicht Wunder, daß in einer königlichen Urkunde vom 27. April 1327 ein Pousa, comite de Brasou erwähnt wird (107). Ob dieser Pousa das Amt bereits vorher inne hatte, kann zur Zeit nicht bestimmt werden. Die Chronolo- gie des päpstlichen Schreibens (1. Februar 1327) und der obigen Urkunde (27. April 1327) dürfte so gedeutet werden, daß die Ernennung von Pousa zum Komes des Burzenlandes als Reaktion auf den diplomatischen Erfolg von Komes Salamo erfolgt war.


104) Acta Capituli Generalis apud Barchinonam (Aragon) Celebrati Anno Domini MCCCXXIII (1323): Provincie Ungarie concedimus duas domos: unam in Braso, aliam in Gaza ponendas. (Monumenta Ordinis Praedicatorum Historica (MOPH) VIII, Rom 1900, S.150). "Gaza" ist Kaschau (Hung. Kassa, Slov. Kosice) in der Ostslowakei, ebenfalls in einer Grenzre- gion zum mongolisch beherrschten Gebiet. 105) Peter von Dusburg, Chronik des Preußenlandes, hg. von Klaus Scholz und Dieter Wojtecki, Darmstadt 1984, Kapitel I,125: "Im Jahr des herrn 1326 tötete der ungarische König vom Tartarischen Heer, das sein land verwüstet hatte, 30.000 Mann" (Anno domini MCCCXXVI. rex Ungarie de exercitu Tartarorum qui regnum suum depopulaverant, XXX. milia interfecit. 106) Eudoxiu Hurmuzaki, Documente privitoare la istoria romanilor (Urkunden bezüglich der Geschichte der Rumänen), Bd. I 1, S. 591, Nr.417. 107) Ub. I, Nr.455, S.411.
Dokument.../Integr.htm/ Erstellt: 15.12.1996. Letzte Änderung 15.07.1997; Autor: Klaus Popa