II. Die Siebenbürger Sachsen bis zum Tod von Andreas III. (1303)

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Nach der Vertreibung des Deutschen Ordens aus dem Burzenland wurde die
Provinz dem König unmittelbar unterstellt. Seine Interessen nahm hier wie
in ganz Siebenbürgen Béla, der älteste Sohn von Andreas II. und Dux
Transilvanus
(15), wahr. So scheint Béla den Dominikanerorden kräftig
unterstützt zu haben, das vom Deutschen Orden begonnene Christianisie-
rungswerk in den Reihen der transkarpatischen Kumanen fortzusetzen. Das
Burzenland scheint dabei eine Ausgangsbasis gewesen zu sein. Doch der
Predigerorden fand in Kronstadt keine Aufnahme, wohl schon deshalb, weil
die Erfahrungen der Bürgerschaft mit dem Deutschen Orden nicht besonders
positiv gewesen zu sein scheinen. Erst 1323, im Rahmen einer erneuten
Glaubensoffensive, kam der Dominikanerorden auch in Kronstadt zum Zuge.

Kronstadt und das Burzenland gehörten zu der sogenannten "Kumanischen"
Diözese, die unter dem Deutschen Orden gegründet worden war, aber nach
dem verheerenden Mongoleneinfall von 1241 aufhörte zu existieren. Ein
weiterer Mönchsorden, die Zisterzienser, meldeten Ansprüche auf das
Burzenland, doch sie kamen erst 1240 zum Zuge, als König Béla IV. ihnen
das Patronat und alle Rechte über die Kirchen in Marienburg (Feldioara,
Földvár), Petersberg (Sînpetru), Honigberg (Harman) and Tartlau (Prejmer,
Prázsmár) verlieh (16). Der Orden besaß bereits seit Anfang des 13.Jahr-
hunderts eine Niederlassung im Fogarascher Land in Kerz (Cîrta) (17). Auch
in Kronstadt besaßen die Zisterzienser ein Frauenkloster, das der hl.
Katharina geweiht war und bis zur Reformation (1542) bestand.

Der Einfall der Mongolen (Tartaren) von 1241 war auch für das Sachsen-
land folgenschwer: das siebenbürgische Heer versuchte die Eindringlinge
im Burzenland aufzuhalten, wurde aber vernichtend geschlagen. Auch
Hermannstadt wurde ein Opfer der Mongolen. Sie drangen bis Pannonien
(18) vor, zogen sich aber unerwartet im Jahr 1242 zurück, nachdem ihr
oberster Herr, Batu-Khan gestorben war.

Die Regierung von Bela IV (1235-1270) war durch den
Konflikt mit seinem Sohn Stephan gekennzeichnet. Stephan wollte auch
regieren und erreichte im Jahr 1262 seine Krönung als junior rex mit absoluter Gewalt in Siebenbürgen. Wohl seiner kriegerischen Natur ist es u verdanken, daß Siebenbürgen von weiteren Einfällen verschont blieb. Der betonte Hang von Béla IV. zu den Lateinern (Franzosen und Wal- lonen) bewog Staphan, sich an die Deutschen zu lehnen, vornehmlich nach- dem die Steiermark (19) an Ungarn gefallen war, nach dem Friedensschluß von Béla IV. mit dem böhmischen König Ottokar Primislaus am 3. April 1254 (20) und nachdem Stephan zum Grafen (dux) des Stiriae ducatum ernannt wurde. Er ist als solcher erstmals 1259 urkundlich (21). 15) Es gab diesen Titel bis Stephan, der Sohn Bélas IV., 1270 König wurde. 16) Ub I, S. 68f., Nr. 76. Die Verleihung der Kirche von Marienburg an die Zisterzienser, wo der Dekanatssitz war, scheint also auch die Unter- ordnung der Burzenländer Kirche unter den Orden bedeutet zu haben. 17) Über das Kloster Kerz vgl. Michael Thalgott, Die Zisterzienser
von Kerz (Veröffentlichungen des Südostdeutschen Kulturwerks, Reihe B:
Wissenschaftliche Arbeiten, 50. Bd.), München 1990.
18) Die ungarische Tiefebene.
19) Heute eine Provinz Österreichs.
20) Georgius Fejer, Codex diplomaticus Hungariae religiosus ac
civilis, Tomus VII, Bd. 1, S. 300f., Nr. CCLX.
21) Gusztáv Wenzel, Codex Diplomaticus Arpadianus Continuatus,
Bd. VII, S. 508, Nr. 359.

Seite 7 In diesem Zusammenhang traf Stephan auf Benedictus, den Propst von Friesach in der Steiermark. Benedictus ist 1261 als prepositi Zebeni-
ensis
(Propst von Hermannstadt) bezeugt (22). Dieses Amt hatte er bis
1262 inne. Zwischen 1263 und 1273 war er Propst von Orod (23). Als
Vizekanzler Stephans vermittelte er den Frieden vom 5. Dezember 1262
zwischen Vater und Sohn (24). Er wurde aus dem Vizekanzleramt durch
seine Widersacher Lodomerius und Petrus (der letztere ein siebenbürgi-
scher Geistlicher) verdrängt. Als Stephan 1270 als Stephan V.
König wurde, wurde Benedictus wieder Hermannstädter Propst
(25).

Nach dem frühzeitigen Tod Stephans V. (1272) besetzte Benedictus das
Vizekanzleramt unter Stephans Sohn Ladislaus IV. (26). Er rückte der
Graner Erzbischofswürde näher, als er Propst von Ofen (Buda) wurde (27).
Doch er wurde nie als solcher bestätigt, denn er waltete nur als electus Strigoniensis (gewählter Erzbischof von Gran) (28).

Doch die Widersacher von Benedictus, die auch Feinde des minderjährigen
Königs Ladislaus IV. waren, verdrängten ihn aus dem
Amt des Vizekanzlers im Jahr 1276, das er jedoch 1277 wieder übernahm.
Dieses Hin und Her veranschaulicht das Tauziehen zwischen den Anhängern
Stephans V. und Ladislaus IV. auf der einen Seite und den Prälaten des
Reiches auf der anderen. Benendictus verstarb Ende März oder Anfang
April 1278, wodurch Lodomerius das Erzbistum von Gran überantwortet bekam.

Petrus, der Vizekanzler von iunior rex Stephan zwischen 1265 und
1270 war (29), sollte eine Spitzenrolle in Siebenbürgen als Bischof von
1270 bis 1308 spielen. Er kannte keine Skrupel bei der Erhebung des
Kirchenzinses und der Ausweitung seiner Besitztümer, was den Aufstand der
Sachsen von 1277 auslöste. Die Prälaten nutzten das kindische Alter von
Ladislaus IV. aus, um willkürlich zu herrschen und ihre engen Interessen
wie 'war-lords' auszutragen.

Der Sachsenaufstand des Jahres 1277 scheint durch den Versuch von Bischof
Petrus ausgelöst worden zu sein, die Salzgruben von Salzburg (Ocna
Sibiului, Vizakna), die dem sächsischen Grafen Alard gehörten, zu beset-
zen. Alard wurde in den Auseinandersetzungen getötet und sein Sohn Gaan
(Johann) setzte sich an die Spitze eines bewaffneten Aufstandes. Bischof
Petrus und seine korupten Geistlichen sollten gestraft werden. Die Sach-
sen griffen den Dom in Weißenburg an und töteten mehrere führende Geist-
liche, doch Bischof Petrus entkam. Die Reichsversammlung sprach am 19.
Juni 1278 den Bann über Gaan und dessen Anhänger aus (30).

In der Folgezeit ausgestellte Urkunden bringen den Aufstand der Sachsen
mit Greultaten in Verbindung, wie die Brandschatzung zahlreicher Kirchen,
den Diebstahl von Kirchengerät und die Massakrierung zahlreicher Bürger.
Es leuchtet ein, daß die Geistlichen der Weißenburger Diözese eine Ver-
leumdungskampagne gestartet hatten, indem sie den Sachsen die Entvölke-
rung
22) Wenzel, Bd. XIII, S. 7-12, Nr. 4,5,6,7.
23) Heute Oradea in Rumänien.
24) Ub.I, S. 87, Nr. 98.
25) Bezeugt am 2. Mai 1270: Ub.I, S. 107, Nr. 132.
26) Bezeugt am 1. September 1273: Ub.I, S. 122, Nr. 168.
27) Die damalige Hauptstadt Ungarns.
28) Bezeugt zwischen April 1274 und Februar 1278 (Fejér, Codex
Diplomaticus, Tomus V, vol.2, S.174, 427).
29) Ub.I, S. 96, Nr. 111; S. 107, Nr. 131. Petrus ist erstmals als Bischof
von Siebenbürgen am 13. Juni 1270 ausgewiesen (Documente privind istoria
Romaniei (Urkunden zur Geschichte Rumäniens) (DIR), C. Transilvania, veacul
XI, XII, XIII, S. 131, Nr. 124.
30) Ub.I, S. 131f., Nr. 184.

Seite 8 ganzer Landstriche der Weißenburger Diözese anlasteten (31). In einer Urkunde des Jahres 1282 sichert König Ladislaus IV den
Hospites von Weißenburg (civitatis Albensis), wo der Bischofsitz
war, zwecks Rückkehr, und den Hospites der verlassenen Dörfer freie
Gerichtsbarkeit (bis dahin waren sie der Gerichtsbarkeit des Woiwoden (32)
und der Komitatsbeamten unterworfen). Diese Bevölkerungswanderungen waren
zweifelsohne das Ergebnis von Repressalien, die Bischof Petrus gegen die
Sachsen unternahm, mit dem Ziel der Einschüchterung oder zur Bestrafung
jener Gemeinden, die Gaans Truppe untertützt hatten. Manche der Flüchten-
den scheinen ins Burzenland gezogen zu sein, wo sie den Burzenländer Sach-
sen gegen die einbrechenden Mongolen (1278) Hilfe leisteten (33).

Die Kumanen, die die ungarische Führung ins Land eingelassen hatte, stell-
ten durch ihre nomadische Lebensweise ein Problem dar. Die Kumanen der
Theissebene erhoben sich 1280, wurde aber besiegt und flohen in großen
Mengen auf das Gebiet der heutigen Südwestukraine. König Ladislaus ver-
folgte sie und erreichte die Grenzen des mongolischen Einflußgebietes.
Dieses waghalsige Unternehmen des ungarischen Königs straften die Mongo-
len indem sie 1285 Nordostungarn heimsuchten. Auch Nordostsiebenbürgen
blieb nicht verschont. Deshalb erließ König Ladislaus 1286 der Stadt
Bistritz zwei Drittel ihres an den König abzuführenden Martinzinses (34).

Ebenfalls der Mongolenabwehr diente der Aufenthalt des Königs im Burzen-
land. So urkundete er am 27. Oktober 1288 in Kronstadt (35). Anläßlich
seines burzenländischen Aufenthalts verlieh er die burzenländer Besit-
zungen Bodola (Budila) und Tohan Nikolaus von Rosenau (37), zweifelsohne
für dessen Verdienste um die transkarpatische Politik. Die Moldau und
Walachei befanden sich damals noch unter mongolischer Oberhoheit. Niko-
laus is das erste urkundliche Mitglied des Geschklechtes Sommer
, das in Kronstadt und im Burzenland des 14. Jahrhunderts eine
hervorragende Rolle spielen sollte.

Doch bei seinem Aufenthalt im Burzenland ging es König Ladislaus auch um
die Aufstellung einer siebenbürgischen Front gegen die theokratische (38)
Opposition, die ihm Schwierigkeiten bereitete. Einige Maßnahmen, welche
die finanzielle Grundlage der widerspenstigen Geistlichen schwächen soll-
ten, waren beispielsweise die Aufhebung des bisherigen Zehnt- und
Haftungssystems zugunsten der Bauernschaft, eine revolutionäre Maßnahme,
die aber ganz unrealistisch war, weil dadurch die Grundlagen des feudalen
Besteuerungs- und Rechtssystems erschüttert wurden. Die Reaktion der Prä-
laten und des Adels ließ nicht lange auf sich warten. Ladislaus hatte z.B.
verordnet, daß die siebenbürgischen Geistlichen der Rechtssprechung des
Woiwoden zu gehorchen hatten und daß der Adel fortan auch Steuern zu ent-
richten habe.
31) Ub.I, S.146, Nr.206; S.142f., Nr.200 (1282). Das letztere Dokument nennt folgende Ortschaften in der Diözese Weißenburg, die von ihrer Hospi- tes-Bevölkerung verlassen worden waren: villa sancti Regis im Komitat Torda; villa Kuluswar (Klausenburg, Cluj-Napoca, Kolozsvár), villa Gylo (Gilau, Gyalu), villa Kopus (Capus, Kapus), villa Keresfeo (Izvoru Crisului, Körösfö) im Komitat Kolosch (Klausenburg); villa Herena (Mönchs- dorf, Harina, Herina) und Bylokul (Billak, Domnesti, Bilak) im Komitat Doboka; villa Zylah (Zalau) and villa Tusnad (Tasnad, Tasnád) im Komitat Zonuk (Zolnok); villa Ebes im Komitat Sathmar; villa Baratpispuk im Komi- tat Bihor. 32) Der Woiwode war das militärische Oberhaupt Siebenbürgens und sein Territorialrichter. Der Aufstand der Sachsen von 1277 wird von Oliver
Velescu
, Der Aufstand der Sachsen aus dem Jahr 1277, in: FVLk 17,
No.1, 1974, S.41-52 behandelt.
33) Über die Grafen von Sommer siehe Kapitel V.
34) Ub.I, S.149f., Nr. 211.
35) Ub.I, S.159, Nr.225.
36) Ein Dorf südwestlich von Kronstadt.
37) Die Verleihung ergibt sich aus der Bestätigungsurkunde, welche
Andreas III. 1294 ausstellte (Documente privind istoria Romaniei
(Urkunden zur Geschichte Rumäniens) (DIR), veacul XIII. C.Transilvania,
Bd.II, S. 403f., Nr.451.
38) Regiment der Geistlichen.

Seite 9 Die Unversöhnlichkeit der angegriffenen Partei dokumntiert die Urkunde des Graner Erzbischofs Lodomerius an die ungarischen, sächsischen, seklerischen (39) und rumänischen Adligen der Komitate Hermannstadt und Burzenland, die Boten des Königs an die Mongolen zu verhindern oder sie festzusetzen. Wer den Boten hilft, wird vom Erzbischof exkommuniziert, ebenso die Boten selbst (1288) (40). Ungarn war also ein zutiefst gespal- tenes Land, in dem die Prälaten ihrem König offen trotzten. Um das Kapitel (41) von Weißenburg, ein Hauptwidersacher der königlichen Siebenbürgenpolitik, freundlich zu stimmen, und um sich Unterstützung in Siebenbürgen zu sichern, bestätigte König Ladislaus 1289 gewisse Privile- gien des Kapitels. Am wichtigsten war die Bestätigung von Weißenburg im Besitz der Städte Klausenburg und Weißenburg (42). Auch Sekler wurden in ihrer Besitzung Aranyos (Aries, Westkarpaten) bestätigt (43). Die Rückgabe von Klausenburg und Weißenburg deutet auf das gespannte Verhältnis zwischen König und Weißenburger Kapitel. Nachdem der König den klausenburger und weißenburger Besitz bestätigt hatte, nahm er die Bestätigung wieder zurück (44) und Bischof Petrus reagierte, indem er Arbuz, den kumanischen Schwager des Königs, und den siebenbürgischen Woiwoden Moius (Moses) festnahm. Die darauf Bezug nehmende Urkunde belegt, daß der Bischof nicht im Alleingang handelte, sondern auf Anwei- sung der Erzbischöfe von Gran und Kalocsa, die ihrerseits die Zustimmung des Papstes eingeholt hatten. Der Inhalt dieser Anweisung wird im wesent- lichen dem Verweigerungsaufruf von Lodomerius an die Komitate Hermann- stadt und Kronstadt (46) entsprochen haben. Die Haltung der Sachsen war wichtig im Rahmen der Auseinandersetzungen des Königs mit der klerikalen Opposition. Bereits der Aufruf von Erzbischof Lodomerius an die hermannstädter und burzenländer Sachsen deutet an, daß diese damals auf der Seite ihres Königs standen. Doch die Solidarität zum König ging über Hermannstadt und Burzenland hinaus. Ein Versuch von Bischof Petrus, die sächsische Front zu schwächen, wäre im Zehntabschluß des Jahres 1289 mit den Pfarrern des Landes Mediasch (terra Medies)
zu erblicken. Das bisherige Jahreszehntdrittel sollte fortan in 40 Silber-
mark abgegolten werden (47).

Nachdem König Ladislaus, dem der Spottname "der Kumane" beigelegt wurde,
aus Siebenbürgen abgezogen war, wurde er am 10 Juli 1290 im Alter von 28
Jahren Opfer eines Mordes. Die Täter sollen nach offiziellen Angaben Kuma-
nen und Rumänen gewesen sein. Aber der Umstand, daß Andreas III., ein
Großonkel von Ladislaus, die Regierungsgeschäfte an ebendemselben Tag
übernahm, an dem der König getötet wurde (48), spricht eher für einen
vorweg geplanten Mord.
39) Das sind Ungarn, die in Ostsiebenbürgen ansässig sind. 40) DIR, II. Bd., S.296-299, Nr.337. 41) Der Rat eines Bischofs. 42) Ub.I, S.162f., Nr.229 (1. September 1289). 43) Ub.I, S.163, Nr.230. 44) Die Verleihung war unter Béla IV. erfolgt. 45) ... cum venerabilis pater Petrus Dei gratia episcopus Transilvanus
... Arbuz Cumanum cognatum nostrum,... captivasset et propter hoc solum
possessiones donatitias ... villam Culuswar ... et villam Albensem ...
alienassemus.

46) Siehe oben und Anm. 40.
47) Der zehnte Teil der landwirtschaftlichen Erträge.
48) Über die Datierung des Regierungsantritts von Andreas III. vgl.
Ub.I, S.169 (Anmerkung zu Nr.238).

Seite 10 Siebenbürgen rückte im März 1291 ins Augenmerk von Andreas III.
(1290-1301), als er an den Arbeiten des siebenbürgischen Land-
tages in der Nähe Weißenburgs teilnahm. Von den Rückerstattungsmaßnahmen
sind zweifelsohne die im Fogarascher Land von größter Tragweite, weil
damit die Errichtung des Komitats Fogarasch, wofür Ladislaus IV. Enteig-
nungen vorgenommen hatte, wieder rückgängig gemacht wurde. Bereits die
neue Reichsverfassung vom 22. Februar 1291 stellte die Rechts- und Be-
steuerungsordnung von vor Ladislaus IV. wieder her und widerrief sämt-
liche Verleihungen von Ladislaus an seine Familiaren und Anhänger.

Die gefestigte Stellung von Bischof Petrus, der mächtigste Widersacher von
König Ladislaus in Siebenbürgen, ist daran abzulesen, daß er beispiels-
weise in Urkunden des Reichstags vom 29.Juli 1292, ebenso in einem könig-
lichen Dokument von 1293 nach dem Reichskanzler an zweiter Stelle Erwäh-
nung findet (49).

Nachdem die politische Lage im Sinne der Prälaten und des Adels stabili-
siert worden war, verabschiedete die Reichsversammlung (Geistliche, Adel,
Sachsen und Kumanen) am 4. August 1298 eine neue Verfassung, die ganz
im Einklang zum Grundsatz stand, welchen Andreas III. in einer Urkunde am
7. November 1293 niedergelegt hatte: "unser Königreich ist durch die Ge-
bete des Klerus besser geschützt als durch menschliche Hilfe" (50).

Es gibt keine Nachricht von militärischen Unternehmungen zur Zeit von
Andreas III. Das Land hatte seine frühere feudale und auch politische
Stabilität wiedererlangt, doch der Tod von Andreas III. im Jahr 1301,
wodurch die Dynastie der Arpaden erlosch, ließ erneute politische Instabi-
lität aufkommen.
49) G.D. Teutsch, Friedrich Firnhaber, Urkundenbuch zur
Geschichte Siebenbürgens I. Bd., Wien 1857 (Reprint Graz 1971), S. 181f.
Nr. CLXXXVI; S.186, Nr. CXCI. Ub. I, S.192, Nr. 261.
50) DIR, S.400f., Nr.446.





Dokument.../Andreas.htm/ Erstellt: 15.12.1996. Letzte Änderung:24.09.1997; Autor: Klaus Popa